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Die Kandare - Wirkung, Anwendung & Nutzung

Einsatz und Wirkung der Kandare verständlich erklärt


Was ist eine Kandare?

Eine Kandare ist eine spezielle Zäumung im Reitsport, die vor allem in der höheren Dressurausbildung eingesetzt wird. Sie zeichnet sich durch ihre Hebelwirkung auf Genick und Kinnlade aus, daher sollte sie nur bei erfahrenen Pferd-Reiter-Paaren zum Einsatz kommen, die bereits ein hohes Ausbildungsniveau erreicht haben. Man unterscheidet zwei Formen der Kandare:

  1.  Kandare Unterleger: einer Kombination aus zwei Gebissen mit zwei Zügelpaaren und beidhändiger Zügelführung (klassische Dressurausbildung)
  2. Blanke Kandare: Kandarengebiss und 1 Zügelpaar, oft einhändige Zügelführung. Z.B. Westernreiten, Masterclass Working Equitation

Welche Wirkung hat die Kandare? 

Die Wirkung der Kandare beruht auf dem sogenannten Hebelprinzip. Durch die Anzüge des Kandarengebisses wird der Zügelimpuls vervielfacht und wirkt gleichzeitig auf Lade, Zunge, Unterkiefer (über die Kinnkette) und das Genick. 

  • Richtig eingesetzt kann die Kandare Aufrichtung, Versammlung und Selbsthaltung des Pferdes fördern. 
  • Falsch angewendet kann sie deutlich zu scharf wirken, weshalb eine gefühlvolle und ruhige Reiterhand für die Nutzung einer Kandare unerlässlich sind. 

Was ist der Sinn einer Kandare?

Eine Kandare soll die feine Kommunikation auf höchstem Ausbildungsniveau unterstützen. Sie soll es ermöglichen, nahezu unsichtbare Hilfen zu geben und Versammlung, Durchlässigkeit und Ausdruck des Pferdes zu fördern. Die Kandare ersetzt keine Ausbildung, sondern setzt diese voraus. Sie dient nicht dazu, ein Pferd „in Haltung zu ziehen“, sondern unterstützt ein korrekt ausgebildetes Pferd dabei, sich selbst zu tragen und auf minimale Signale zu reagieren. In der klassischen Reitlehre gilt die Kandare als Krönung der Ausbildung, nicht als Abkürzung. Folgende Stufen werden dabei durchlaufen:

  1. Einstieg: z.B. einfach oder doppelt gebrochene Wassertrense
  2. Zwischenstufen: Stangengebisse ohne oder mit leichter Hebelwirkung (z.B. Kimblewick), die mit einem oder bereits mit zwei Zügelpaaren geritten werden
  3. Kandare mit Unterlegtrense
  4. Blanke Kandare mit einhändiger Zügelführung (z.B. Masterclass Working Equitation)

Wassertrense

Kimblewick

Kandare mit Unterlegtrense

Blanke Kandare

Warum reitet man mit Kandare?

Man reitet mit Kandare, um in der fortgeschrittenen Dressurarbeit eine noch präzisere Einwirkung zu erreichen. Besonders in Lektionen wie Piaffe, Passage, fliegenden Galoppwechseln oder Pirouetten erleichtert die Kandare eine feindosierte Hilfengebung. Außerdem ist die Kandare in bestimmten Dressurprüfungen ab der Klasse L bzw. M/S vorgeschrieben. Voraussetzung ist jedoch immer, dass das Pferd bereits sicher an der Trense geht und der Reiter über eine gefühlvolle, ruhige Hand verfügt. 

Wann darf man mit Kandare reiten? 

Mit Kandare darf man erst reiten, wenn Pferd und Reiter entsprechend gut ausgebildet sind. Das Pferd sollte durchlässig, balanciert, sicher an den Hilfen und mental entspannt sein. Für den Reiter ist eine stabile Sitzposition, feine Zügelführung und fundierte Kenntnis der Wirkungsweise einer Kandare Pflicht. 

  • Turnierprüfungen: die Nutzung der Kandare je nach Leistungsniveau geregelt und kann ggf. verpflichtend sein. 
  • Freizeitbereich: es keine gesetzlichen Vorgaben, jedoch stets eine ethische Verantwortung. 

Viele Ausbilder empfehlen, die Kandare zunächst nur unter Anleitung einzusetzen. 


Was ist der Unterschied zwischen Trense und Kandare?

Der wichtigste Unterschied zwischen Trense und Kandare liegt in der Wirkungsweise. 

  • Die Trense wirkt direkt und ohne Hebel auf das Pferdemaul, wird mit nur ein Zügelpaar geritten und ist für Ausbildung, Freizeit und Basisarbeit geeignet. 
  • Die Kandare hingegen wirkt durch die Hebelwirkung auf Genick und Kinn, erlaubt dadurch eine differenziertere Einwirkung und wird mit zwei Zügelpaaren geritten. 

Kurz gesagt: Mit der Trense wird ausgebildet und mit der Kandare verfeinert. 

Warum Kandare mit Unterlegtrense? 

Die Kombination aus Kandare mit Unterlegtrense ermöglicht eine feinere Abstufung der Hilfen:  

  • Die Unterlegtrense wirkt sanfter und dient der Grundanlehnung 
  • Das Kandarengebiss wird gezielt für verstärkende oder verfeinernde Impulse eingesetzt. 

Durch die zwei Zügelpaare kann der Reiter flexibel zwischen beiden Wirkungen differenzieren. Ziel ist es, überwiegend über die Trense zu reiten und die Kandare nur punktuell einzusetzen – ganz im Sinne klassischer Reitkunst.


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Warum Kinnkette bei der Kandare?

Die Kinnkette begrenzt die Hebelwirkung der Kandare und sorgt dafür, dass sich das Gebiss korrekt im Maul anlegt. Ohne Kinnkette würde die Kandare unkontrolliert kippen und unangenehmen Druck verursachen. Sie ist somit sie ein zentrales Sicherheitselement und sollte bei Verwendung einer Kandare immer zum Einsatz kommen. Die Kinnkette besteht oft aus Metall, das mit einem Kinnkettenpolster versehen wird. Im Westernreiten kann sie auch  vollständig aus Leder bestehen.

Welche Zügel für die Kandare nutzen?​

Man unterscheidet zwischen zweihändiger Zügelführung (Kandare-Unterleger) und einhändiger Zügelführung (blanke Kandare). Je nach Art der Kandare werden ein oder zwei Zügelpaare verwendet:

  • Zweihändige Zügelführung: Trensenzügel und Kandarenzügel
  • Einhändige Zügelführung: Kandarenzügel

Je nach Reitweise werden die Zügel unterschiedlich gehalten, sollen aber stets einer feinen Einwirkung dienen.

Unter den vielen verschiedenen Arten der Zügelführung gibt es auch diese:

1

Gekreuzte Zügelführung

Hier wird der Trensenzügel wie beim Reiten auf Trense unter dem Ringfinger aufgenommen, der Kandarenzügel verläuft überkreuzt und wird unter dem Mittelfinger gehalten. 

2

3:1 Zügelführung

Die Trensenzügel werden ganz normal gehalten, aber beide Kandarenzügel in einer Hand. Die Kandare wirkt so nur aufrichtend und es können Paraden auch nur über die Trensenzügel gegeben werden.  

3

Parallele Zügelführung

Der Kandarenzügel wird unterhalb des kleinen Fingers gehalten. Die Aufnahme der Zügel ist so recht einfach, die Zügelhilfen wirken aber schärfer, da mehr Druck am Kandarengebiss ankommt. Eine weitere Variante der parallelen Zügelführung ist, den Trensenzügel von oben nach unten, also über den Zeigefinger, und den Kandarenzügel von unten nach oben, unterhalb des kleinen Fingers, durch die Faust laufen zu lassen. 

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Die meisten Zäume sind entweder als Trensenzaum (also mit einem Backenriemen und einem Zügelpaar) oder Kandarenzaum (mit zwei Backenstücken und zwei Zügelpaaren) gefertigt. Bei SIGNUM gibt es Zäume, welche multifiunktional aufgebaut sind und daher mit dem Ausbildungsstand des Pferdes mitwachsen können. Die Zäume von SIGNUM haben von Beginn an zwei Backenstücke und zwei Zügelpaare, von denen aber mit einem Handgriff das 2. Backenstück abgebaut werden kann – somit kann der Zaum in verschiedensten Varianten genutzt werden:

  1. Trensenzaum: ein Backenstück für das Trensengebiss und ein Zügelpaar
  2. Kombination aus Trense & Gebisslos: ein Backenstück für das Trensengebiss, der Nasenriemen kann ausgetauscht werden z.B. mit Semicavesson oder Sidepull Nasenriemen, zwei Zügelpaare (jeweils eins für Trensengebiss und Semizaum)
  3. Trensenzaum mit z.B. Kimblewick, aber zwei Zügelpaaren
  4. Kandare Unterleger: ein Backenstück für die Unterlegtrense, ein Backenstück für das Kandarengebiss und je ein Zügelpaar pro Gebiss
  5. Blanke Kandare: ein Backenstück für das Kandarengebiss, ein Zügelpaar für das Kandarengebiss

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Wie wird die Kandare in der Working Equitation eingesetzt? 

In der Working Equitation wird in der Regel eine klassische Stangenkandare verwendet, häufig nach portugiesischem oder spanischem Vorbild. Dabei handelt es sich um ein einteiliges Kandarengebiss mit leichter bis mittlerer Zungenfreiheit, moderaten Anzügen und Kinnkette. Anders als in der klassischen Dressur wird in der Working Equitation ohne Unterlegtrense, also ausschließlich auf Kandare, und mit nur einem Zügelpaar (Kandarenzügel) traditionell einhändig geritten, insbesondere in den höheren Klassen und im Stil der Working Equitation. Wichtig ist, dass die Kandare korrekt angepasst ist und ausschließlich von Reitern mit sicherer, unabhängiger Hand eingesetzt wird.

Woher kommt der Ausdruck "an die Kandare nehmen"? 

Der Ausdruck „jemanden an die Kandare nehmen“ stammt aus dem Reitsport und bedeutet ursprünglich, ein Pferd sehr eng und kontrolliert mit einer Kandare zu reiten. Übertragen wurde die Redewendung auf den allgemeinen Sprachgebrauch und beschreibt heute, jemanden streng zu führen, stark einzuschränken oder zu disziplinieren. Der Ursprung erklärt sich durch die starke Wirkung der Kandare bei unsachgemäßem Gebrauch – was im modernen Reitsport jedoch ausdrücklich vermieden werden soll. 

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