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Mitja Hinzpeter

Populäre Reitstile & deren Besonderheiten einfach erklärt

Was ist Vielseitigkeitsreiten?

Vielseitigkeitsreiten wird oft als die „Königsdisziplin des Reitens“ bezeichne, da sie eine der anspruchsvollsten Disziplinen im Pferdesport ist. Beim Vielseitigkeitsreiten müssen Pferd und Reiter ihre Fähigkeiten in drei Teilprüfungen unter Beweis stellen. Das Ziel besteht darin, alle drei Disziplinen möglichst fehlerfrei zu absolvieren und am Ende die geringste Strafpunktzahl zu erreichen. Neben der Technik sind auch Ausdauer, Mut, Geschicklichkeit und Vertrauen zwischen Pferd und Reiter von zentraler Bedeutung. Durch die Kombination unterschiedlicher Anforderungen gilt Vielseitigkeitsreiten als sehr abwechslungsreich und setzt eine besonders umfassende Ausbildung von Pferd und Reiter voraus. 

Welche Disziplinen gehören zum Vielseitigkeitsreiten? 

Das Vielseitigkeitsreiten setzt sich aus drei Teilprüfungen zusammen: 

  • Dressur 
  • Geländeritt 
  • Springen 

Die Dressur bildet meist den Auftakt und verlangt Losgelassenheit, Durchlässigkeit sowie die korrekte Ausführung der Dressurlektionen von Reiter und Pferd. Beim Geländeritt muss ein anspruchsvoller Kurs mit festen Hindernissen in einer vorgegebenen Zeit bewältigt werden. Diese Teilprüfung gilt als Herzstück der Vielseitigkeit. Den Abschluss bildet das Springreiten im Parcours, bei dem es auf Kondition, Konzentration und Sprungtechnik ankommt. Die Kombination dieser drei Disziplinen macht das Vielseitigkeitsreiten zu einer einzigartigen Prüfung und zu einem Highlight für Reitsportfans und Teilnehmer. 

Ist Vielseitigkeitsreiten olympisch? 

Ja, Vielseitigkeitsreiten ist eine olympische Disziplin. Es gehört seit den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm zum olympischen Programm und zählt damit zu den traditionsreichsten Reitsportarten der Welt. Bei den Olympischen Spielen treten die besten Vielseitigkeitsreiterinnen und Vielseitigkeitsreiter gegeneinander an. Sowohl Einzel- als auch Mannschaftsmedaillen werden vergeben. Die olympische Vielseitigkeit gilt als einer der anspruchsvollsten Wettbewerbe im internationalen Pferdesport.

Welche Klassen gibt es im Vielseitigkeitsreiten? 

Im Vielseitigkeitsreiten gibt es verschiedene Leistungsklassen, die sich nach dem beinhalteten Schwierigkeitsgrad richten. Im nationalen Turniersport werden diese Klassen ausgeschrieben: 

  • Klasse E (Einsteiger) 
  • Klasse A (Anfänger) 
  • Klasse L (Leicht) 
  • Klasse M (Mittel) 
  • Klasse S (Schwer) 

Mit jeder Klasse steigen die technischen Anforderungen, die Höhe und Komplexität der Hindernisse sowie die Anforderungen an die Ausbildung von Pferd und Reiter. Dadurch können Reiter ihre Pferde schrittweise an höhere Leistungsniveaus heranführen. 


Darüber hinaus gibt es internationale Prüfungen in den CCI-Kategorien (Concours Complet International): 

  • CCI1*-Intro – A-Niveau 
  • CCI2* – L-Niveau 
  • CCI3* – M-Niveau 
  • CCI4* – S-Niveau 
  • CCI5* – schwierigste Prüfung 

Bei internationalen Prüfungen werden Langprüfungen und Kurzprüfungen unterschieden. Das Kurz-Format hat die Abkürzung CCI-S (Short) und das Lange Format wird als CCI-L (Long) abgekürzt.

Wie wird beim Vielseitigkeitsreiten gewertet?

Die Wertung im Vielseitigkeitsreiten erfolgt über Strafpunkte. In der Dressur erhält jedes Paar eine Punktzahl, die in Strafpunkte umgerechnet wird. Je besser die Dressurleistung, desto niedriger fällt die Strafpunktzahl aus. Im Gelände kommen Strafpunkte beispielsweise für Verweigerungen, Fehler an Hindernissen oder Zeitüberschreitungen hinzu. Auch im Springparcours führen Abwürfe oder Überschreitungen der erlaubten Zeit zu weiteren Strafpunkten. Sieger ist die Kombination mit der niedrigsten Gesamtstrafpunktzahl nach Abschluss aller drei Teilprüfungen. Dadurch wird eine konstante Leistung in allen Bereichen belohnt.  

Welche Hindernisse gibt es beim Vielseitigkeitsreiten? 

Im Vielseitigkeitsreiten begegnen Pferd und Reiter im Geländeritt einer Vielzahl unterschiedlicher Hindernisse. Dazu gehören: 

  • Baumstamm – ein massiver, liegender Baumstamm oder mehrere Baumstämme übereinander 
  • Graben – einfache Gräben oder überbaute Gräben (Trakehnergraben) 
  • Schweinerücken – massiver Hochweitsprung mit Hochpunkt in der Mitte 
  • Wasser – Durchqueren von Wasser oder Wasserelemente mit Sprüngen 
  • Coffin – Hindernis in einer Senke 
  • Ecken – ein Dreieck mit spitzer und breiter Seite 
  • Kombinationen aus mehreren Sprüngen 

Die Geländehindernisse sind in der Regel fest gebaut und wirken oft wie natürliche Elemente der Landschaft. Moderne Sicherheitsstandards sorgen inzwischen dafür, dass zahlreiche Hindernisse mit speziellen Sicherheitssystemen ausgestattet sind, um das Risiko bei Fehlern zu reduzieren. 

Im Springparcours auf dem Sandplatz kommen die üblichen Hindernisse des Springreitens zum Einsatz:  

  • Steilsprung – vertikales Hindernis in die Höhe. 
  • Oxer – breiter Hochweitsprung aus zwei parallel stehenden Stangenebenen 
  • Trippelbarre – dreistufig ansteigender Weitsprung 
  • Kombinationen – Mehrere eng aufeinanderfolgende Sprünge 

Wann findet das Vielseitigkeitsreiten in Luhmühlen statt?

Die Longines Luhmühlen Horse Trials finden traditionell jedes Jahr im Juni statt und gehören zu den bedeutendsten internationalen Turnieren des Vielseitigkeitsreitens. Luhmühlen in der Lüneburger Heide ist einer der bekanntesten Austragungsorte weltweit, dort werden regelmäßig hochrangige internationale Prüfungen sowie deutsche Meisterschaften veranstaltet.

Welche Pferde eignen sich gut für das Vielseitigkeitsreiten?

Für das Vielseitigkeitsreiten eignen sich besonders sportliche, ausdauernde und vielseitig veranlagte Pferde. Häufig kommen Warmblüter zum Einsatz, die über gute Grundgangarten, Springvermögen und ausreichende Kondition verfügen. Besonders erfolgreich sind Pferde mit einem gewissen Vollblutanteil, da sie oft mehr Schnelligkeit und Ausdauer für die Geländeprüfung mitbringen. Beliebte Rassen sind beispielsweise: 

  • Hannoveraner
  • Holsteiner 
  • Trakehner 
  • Deutsche Sportpferde
  • Irish Sport Horses 

Was trägt das Pferd beim Vielseitigkeitsreiten?

Die Ausrüstung des Pferdes variiert je nach Teilprüfung. In der Dressur wird meist ein Dressur- oder Vielseitigkeitssattel mit schlichter Ausrüstung verwendet. Für die Geländeprüfung kommen häufig spezielle Vielseitigkeitssättel, Gamaschen für alle vier Beine, eventuell Hufschutz sowie eine Sicherheitsausrüstung zum Einsatz. Viele Reiter nutzen außerdem eine Geländeglocke oder einen Brustpanzer, damit der Sattel auch bei hohem Tempo sicher liegt. Im Springen ähnelt die Ausrüstung der im klassischen Springreiten. Entscheidend ist, dass die Ausrüstung dem Pferd Bewegungsfreiheit bietet und gleichzeitig ausreichend Schutz während der anspruchsvollen Prüfungen gewährleistet. 

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