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Mitja Hinzpeter

Populäre Reitstile & deren Besonderheiten einfach erklärt

Was versteht man unter Voltigieren?

Voltigieren ist eine Sportart, bei der eine Mischung aus Turnen, Gymnastik und Akrobatik auf dem Pferderücken ausgeübt wird. Auf dem Pferd, das sich im Schritt oder Galopp im Kreis bewegt, werden dabei verschiedene Übungen ausgeführt. Voltigieren gilt als idealer Einstieg in den Pferdesport, da man zunächst lernt, sich sicher auf dem Pferd zu bewegen, ohne gleichzeitig dessen Richtung, Tempo und Gangart zu kontrollieren. Voltigieren fördert Gleichgewicht, Körperbeherrschung und Koordination und wird sowohl als Freizeit- und Breitensport als auch auf nationalem und internationalem Turnierniveau betrieben. 

Woher kommt der Begriff Voltigieren? 

Der Begriff Voltigieren stammt vom französischen Wort „voltiger“ ab, was so viel wie „hin-und herfliegen“ oder „durch die Luft wirbeln“ bedeutet. Seine Ursprünge reichen bis in die Zeit der Renaissance vom 14. bis 16. Jahnhundert zurück, als man begann die Geschicklichkeit durch akrobatische Übungen auf dem Pferd trainierten. Auch in der militärischen Reitausbildung wurde das Voltigieren genutzt, um Balance, Beweglichkeit und Reaktionsfähigkeit zu verbessern. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus eine eigenständige Sportart, bei der die sportliche Leistung und die Harmonie zwischen Mensch und Pferd im Vordergrund stehen.  

Wie nennt man Leute, die voltigieren? 

Leute, die voltigieren nennt man Voltigierer oder Voltigiererin. Man unterscheidet dabei: 

  • Einzelvoltigierer/in 
  • Doppelvoltigierer/innen 
  • Mannschafts- beziehungsweise Gruppenvoltigierer/innen 

Neben den Voltigierern gehören auch ein/e Longenführer/in und das Voltigierpferd fest zum Team. Besonders im Gruppenvoltigieren ist die eingespielte Zusammenarbeit entscheidend, denn die Übungen gelingen nur bei optimalem Zusammenspiel aller Beteiligten. Voltigieren gilt daher als eine der teamorientiertesten Disziplinen im Pferdesport. 

Für wen ist Voltigieren geeignet? 

Voltigieren ist grundsätzlich für sportlich aktive Kinder, Jugendliche und Erwachsene jeden Alters geeignet. Es wird häufig als Einstieg in den Reitsport empfohlen, da Voltigierer früh ein Gefühl für die Balance auf dem Pferd entwickeln und davon später beim Reiten profitieren. Voltigieren wird auch im therapeutischen Bereich eingesetzt, da die Bewegungen des Pferdes Gleichgewicht, Koordination und Körperwahrnehmung fördern können. Dank verschiedener Leistungsstufen können sowohl Freizeitsportler als auch ambitionierte Wettkampfsportler die Disziplin ausüben. 

Ab welchem Alter kann man Voltigieren lernen?

Viele Vereine bieten Voltigiergruppen bereits für Kinder ab etwa sechs Jahren an. Das genaue Einstiegsalter hängt jedoch von den organisatorischen Voraussetzungen des Vereins sowie von der körperlichen und geistigen Entwicklung des Kindes ab. Gleichzeitig gibt es keine Altersgrenze nach oben: Auch Jugendliche und Erwachsene können mit dem Voltigieren beginnen und von den vielseitigen Trainingseffekten profitieren. Die Übungen werden dabei stets an Alter, Erfahrung und Leistungsniveau der Teilnehmer angepasst.

Welche Übungen gibt es beim Voltigieren? 

Beim Voltigieren gibt es zahlreiche Übungen, die unterschiedliche Fähigkeiten trainieren. Zu den Grundübungen gehören: 

  • Grundsitz – der Voltigierer sitzt direkt hinter dem Voltigiergurt 
  • Bank – Vierfüßlerstand-Position mit auf dem Pferderücken liegenden Unterschenkeln 
  • Knien – Knien auf dem Pferderücken mit aufrechtem Oberkörper 
  • Stand – stehende Position mittig auf dem Pferdrücken 
  • Drehungen – um die eigene Körperachse drehen 
  • Abgänge – verschiedene Ausführungen des Abspringens vom Pferd 

Fortgeschrittene Voltigierer zeigen anspruchsvolle Akrobatikelemente wie: 

  • Schere – drehen vom Vorwärts- in den Rückwärtssitz und zurück mit einer Scherbewegung der Beine 
  • Flanke – führt zuerst zum Innensitz gefolgt von einem Abgang nach außen 
  • freistehende Übungen auf dem galoppierenden Pferd 

Im Gruppenvoltigieren kommen zusätzlich Hebefiguren und Partnerübungen hinzu, die ein hohes Maß an Vertrauen und Präzision erfordern. Ergänzt wird das Training durch Gymnastik-, Kraft- und Koordinationsübungen am Boden.

Welche Klassen gibt es beim Voltigieren?

Im Turniersport wird Voltigieren in verschiedene Leistungsklassen (LK) und den Breitensport eingeteilt. Die Leistungsklassen werden nach Schwierigkeitsgrad und Leistungsniveau unterteilt:  

  • Leistungsklasse A – Anfänger 
  • Leistungsklasse L – Leicht 
  • Leistungsklasse M – Mittelschwer 
  • Leistungsklasse S – Schwer 

In Deutschland reichen die Klassen von den Einsteiger- und Nachwuchsklassen bis hin zu den höchsten Leistungsklassen für nationale und internationale Wettbewerbe. Auch Einzel- und Doppelvoltigierer treten in unterschiedlichen Leistungskategorien gegeneinander an. Mit steigender Klasse nehmen die Anforderungen an Technik, Pflichtübungen, Kürgestaltung und die Qualität der Ausführung deutlich zu. 

Welche Pferderasse eignet sich zum Voltigieren?

Für das Voltigieren eignen sich vor allem ruhige, leistungsbereite und nervenstarke Pferde mit gleichmäßigen, raumgreifenden Bewegungen. Besonders beliebt sind Warmblüter, da sie häufig die ideale Kombination aus Größe, Tragfähigkeit, Taktreinheit und Gelassenheit mitbringen. Besonders oft werden diese Rassen zum Voltigieren eingesetzt: 

  • Hannoveraner
  • Oldenburger
  • Westfalen
  • Deutsche Sportpferde

Wichtig ist jedoch weniger die konkrete Pferderasse als vielmehr der individuelle Charakter des Pferdes. Ein gutes Voltigierpferd bleibt auch bei mehreren Personen auf seinem Rücken konzentriert, bewegt sich gleichmäßig an der Longe und verfügt über eine gute Kondition und ruhige, gleichmäßige Gänge. 

Warum trägt man beim Voltigieren keinen Helm?  

Im klassischen Voltigiersport wird bei Wettkämpfen in der Regel kein Helm getragen, da die Sportler komplexe turnerische und akrobatische Übungen ausführen, bei denen ein Helm die Bewegungsfreiheit einschränken und das Verletzungsrisiko bei bestimmten Figuren sogar erhöhen könnte. Stattdessen werden die Übungen auf speziell ausgebildeten Pferden unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt und schrittweise erlernt. Sicherheit spielt dennoch eine zentrale Rolle: Anfänger trainieren einfache Übungen zunächst im Stand oder Schritt, oft mit zusätzlicher Hilfestellung. In einigen Trainingssituationen oder bei jungen Einsteigern können Vereine aus Sicherheitsgründen das Tragen eines Helms empfehlen oder vorschreiben. 

Was zieht man zum Voltigieren an?

Beim Voltigieren wird funktionale und enganliegende Sportkleidung getragen, die volle Bewegungsfreiheit ermöglicht und gleichzeitig verhindert, dass sich Stoff in Griffen oder Ausrüstung verfängt. Für das Training eignen sich beispielsweise: 

  • Leggings 
  • enges Sportshirt 
  • Turnanzüge 
  • Voltigierschuhe oder Gymnastikschläppchen mit rutschfester Sohle 

Im Turniersport kommen häufig spezielle Voltigieranzüge zum Einsatz, die ein einheitliches Erscheinungsbild der Mannschaft ermöglichen. Auf Schmuck, weite Kleidung oder andere lose Gegenstände sollte verzichtet werden, um das Verletzungsrisiko zu minimieren und die Sicherheit auf dem Pferd zu gewährleisten. 

Was braucht ein Pferd zum Voltigieren?

Ein Voltigierpferd benötigt eine fundierte Ausbildung sowie eine spezielle Ausrüstung:

  • gutsitzender Voltigiergurt mit Griffen und Schlaufen 
  • eine geeignete, gepolsterte Unterlage unter dem Voltigiergurt
  • Trense und/oder Kappzaum 
  • Ausbinder oder Hilfszügel (müssen regelkonform eingesetzt werden) 
  • Longe 
  • ggf. Longierpeitsche
  • ggf. Bandagen

Das Voltigier-Pferd muss körperlich fit, gesund und mental ausgeglichen sein und regelmäßig trainiert werden, damit das Pferd im Voltigiersports eingesetzt werden kann. 

Ist Voltigieren mit Trense oder Kappzaum besser?

Zum Voltigieren ist die Verwendung eines Kappzaums mit Gebisseinhängern wie dem Kappzaum Neo Flexi-Iron oder dem Kenzie Dysli Kappzaum besonders empfehlenswert – dieser kombiniert die Longenführung über die Pferdenase ohne Umschnallen beim Richtungswechsel mit der Möglichkeit, Ausbinder am Gebiss zu befestigen. Durch den Nasenriemen des Kappzaums wird eine klare und feine Einwirkung ermöglicht, was für präzise Kommunikation und sanfte Führung sorgt. Durch das eingeschnallte Gebiss können z.B. Ausbinder mit Gummiringen oder Dreieckszügel (Wienerzügel) verwendet werden, die dem Pferd beim Voltigieren eine seitliche Begrenzung geben.

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