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Reiten mit Garrocha

Das Reiten mit Garrocha ist wie ein Tanz und hat seine Ursprünge in der spanischen Arbeitsreitweise der Vaqueros bei der Rinderarbeit.


Was ist eine Garrocha? 

Eine Garrocha ist eine 3-4 m lange Stange aus Holz oder Kunststoff, die aus der traditionellen spanischen Reitweise stammt und durch den Reiter vom Pferd aus verwendet wird. Ursprünglich war die Garrocha ein Werkzeug der spanischen Vaqueros – berittenen Rinderhirten – um ihre Herden zu treiben oder auf Abstand zu halten. Heute ist daraus eine eigene Kunstform geworden: der Tanz mit der Garrocha. Kraftvoll und gleichzeitig leicht, mit schnellen Wechseln zwischen Versammlung und Dynamik zeigen Pferd und Reiter mit der Garrocha ihr Können auf höchstem Niveau. 

Wie geht man mit der Garrocha um?

Die Garrocha wird einhändig vom Reiter geführt – die andere Hand wird für die Zügelführung benötigt. Zeitweise befindet sich die Garrocha in der Luft, sie kann aber auch mit einem Ende auf den Boden gestellt werden. Kenzie Dysli zeigt im Video einige Grundformen im Umgang mit der Garrocha.

Wie lang ist eine Garrocha?

Die Länge einer Garrocha liegt in der Regel bei 3 bis 4 Meter, je nach Größe des Pferdes: 

  • Bei kleineren Pferden reichte eine Garrocha mit 3,5 Meter Länge aus, um Richtungswechsel unter der Stange hindurch gut ausführen zu können. 
  • Bei größeren Pferden sollte die Garrocha besser 4 Meter lang sein, da sich Pferd und Reiter sonst schnell den Kopf stoßen, wenn sie z.B. eine Pirouette unter der Garrocha ausführen.  

In der Working Equitation gibt es Hindernisse im Trail, die an den Ursprung der Garrocha als Werkzeugs in der Rinderarbeit erinnern soll: Die Hindernisse "Garrocha aufnehmen", "Ring stechen" (typischerweise ist dieser Ring auf einem Stiermodell angebracht) und "Garrocha absetzen". Die hierfür verwendete Garrocha hat eine Länge von 2-4 Meter. 

Nicht immer werden diese drei Hindernisse direkt hintereinander abgefragt, sodass der Reiter ggf. weitere Hindernisse (z.B. Pferch oder Sprung) mit der Garrocha in der Hand absolvieren muss. Das Reiten mit Garrocha zeigt sehr schön, warum sich in der Arbeitsreitweise die einhändige Reitweise durchgesetzt hat – die zweite Hand wird z.B. für das Halten und Einsetzen der Garrocha oder auch dem Öffnen/Schließen eines Tors benötigt. 

Wie schwer ist die Garrocha?

Traditionell sind Garrochas aus Holz gefertigt und können daher je nach verwendetem Holz unterschiedlich schwer sein. Für den Anfang oder das Einsteigertraining macht das Gewicht den Einstieg schwer, daher haben wir bei SIGNUM eine besonders leichte Trainings-Garrocha aus Fiberglas entwickelt. Ein weiterer Vorteil dieser Garrocha ist, dass sie in der Mitte durch ein Gewinde schraubbar ist und daher auch in zwei Teile zerlegt werden kann. Das ist ideal, um sie zu transportieren oder zu lagern. 

Zur teilbaren Garrocha

Woraus besteht eine Garrocha?

Moderne Garrocha-Stangen bestehen meist aus Fiberglas oder  Carbon, um Stabilität mit geringem Gewicht zu kombinieren. Fiberglas-Modelle sind besonders beliebt, da sie flexibel, langlebig und wetterbeständig sind. Traditionell wurden Garrochas aus Holz gefertigt, heute werden jedoch meist leichtere und robustere Materialien bevorzugt. 

Wie hält man die Garrocha? 

Die Garrocha wird meist mit einer Hand geführt und locker in der Balanceposition nahe am Schwerpunkt gehalten. Wichtig ist eine ruhige, kontrollierte Führung, damit das Pferd nicht durch schnelle Bewegungen irritiert wird. Ganz wichtig: nur der dickere Bereich darf den Boden berühren, etwa wenn die Garrocha als Zentrum eines Zirkels oder einer Volte verwendet wird. Traditionelle Garrochas haben an der dünnen Seite eine Spitze, diese darf nie in den Boden gesteckt werden. 

Beim Halten der Garrocha unterscheidet man Grundhaltung und Arbeitshaltung: 

  • Die Grundhaltungen: Garrocha auf der Schulter getragen oder wie eine Lanze getragen 
  • Die Arbeitshaltung: wenn man die Garrocha mit dem dickeren Teil auf dem Boden hat, z.B. für Zirkel oder Seitengänge 


Was ist im Umgang mit der Garrocha zu beachten? 

Beim Umgang mit der Garrocha sollte auf folgende Punkte geachtet werden: 

  1. Aufgrund ihrer Länge von meist 3 bis 4 Metern sollte immer ausreichend Platz vorhanden sein – sowohl in der Halle als auch im Gelände. 
  2. Sicherheit ist wichtig, daher empfehlen wir die Nutzung eines Reithelms und ggf. auch von Gamaschen für die Pferdebeine. 
  3. Das Pferd muss schrittweise an die Garrocha gewöhnt werden, damit es keine Angst vor der Bewegung oder dem veränderten Schwerpunkt des Reiters entwickelt. 
  4. Wichtig ist außerdem eine stabile, ausbalancierte Körperhaltung des Reiters, da die Garrocha wie ein Hebel wirkt und das Gleichgewicht beeinflussen kann. 
  5. Regelmäßiges Training in kleinen Schritten, das weder Pferd noch Reiter überfordert. 

Wie wird mit der Garrocha in der Working Equitation umgegangen?   

In der Working Equitation werden diese Hindernisse mit Garrocha absolviert: 

  • “Garrocha aufnehmen”
  • “Ring stechen”
  • “Garrocha abstellen”

Gernot Weber zeigt im Video, was die Idee dieses Trailhindernisses ist und gibt euch Trainingsideen und Tipps.

 
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